Sep
26
2008

Auf der Lauer

Kanadisch für Spione” wird als Fortsetzungsroman in der unsichtbaren Bibliothek veröffentlicht. Dies ist bereits der achte Teil. Wenn Du die Geschichte von Anfang an lesen möchtest, dann klicke bitte hier.

Auf der Lauer (Fortsetzung)


Teil 8 von Kanadisch für Spione

Teil 8 von Kanadisch für Spione

„Was ist ’n jetzt los?“, fragte Gruber und März zeigte nur stumm auf das Plakat mit den weltweit meistgesuchten Männern. Nur ein Kunstfälscher hatte es geschafft, den zweifelhaften Ruhm zu genießen, mit einem Foto auf diesem Plakat abgebildet zu sein.
„Der Chinese, bürgerlicher Name unbekannt, wahrscheinlich Japaner oder Koreaner, circa 30-40 Jahre alt, gesucht wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung im Bereich der Kunstfälschung, steht vermutlich in Verbindung mit mehreren Auftragsmorden …“, murmelte Gruber leise beim Lesen. Das Plakat war bereits angegilbt und an den Rändern leicht eingerissen. Wie alt es wohl war? Der Mann, der eben in die Galerie ging, war sicherlich 50, aber die Ähnlichkeit mit dem verblassenden Fahndungsfoto war unverkennbar.

Auch Gruber griff sich einen Kopfhörer und schaute über März Schulter auf die Überwachungsmonitore. Man schien sich zu kennen. Der Galeriebesitzer bot Kaffee und Kekse an. Die Begleiter des international gesuchten Großkriminellen sahen etwas aus wie Dick und Doof, fand März. Der schwitzende Dicke machte sich sofort über die Kekse her und der lange Dünne verschüttete etwas von seinem Kaffee. Der Chinese sprach kein Wort, probierte aber den Kaffee. Nach nur einem Schluck stand er auf, überreichte dem Galeriebesitzer schweigend einen Umschlag und ging ohne Verabschiedung. Kaum war er mit erneutem, fröhlichem „Bimelidim“ seitens der Türglocke aus der Galerie getreten, fuhr ein dunkler VW-Golf vor und der Chinese stieg ein. März nahm so viel Professionalität mit Genugtuung zur Kenntnis. Es gab in Frankfurt tausende dunkle VWs, mit solch einem Auto reiste man inkognito.

„Gruber, wir bleiben am Briefumschlag. Versuch Meier zu erreichen, vielleicht bekommen wir ein zweites Team für die Verfolgung des Chinesen.“
„Mei, die Kollegen werden eh nicht vor übermorgen anfangen. Mit all dem Papierkram. Bis dahin ist der längst über alle Berge.“
„Hast du dir das Nummernschild gemerkt?“
„Was mit einem F, glaube ich“ murmelte Gruber.

März rollte mit den Augen. Leider erschloss sich für Gruber diese Geste der Missbilligung aufgrund der Sonnenbrille nicht. Die beiden anderen Männer blieben in der Galerie und aßen weiter Kekse aus einer hässlichen grünen Porzellanschüssel und tranken Kaffee aus ebenso grünen Tassen. Man sprach über das Wetter und den letzten Urlaub, über die Staus auf den Autobahnen und sogar über das Apfelkuchenrezept der Großmutter des kleinen Dicken. März überlegte, ob sich die Männer wohl eines geschickten Geheimcodes bedienten und sich in Wirklichkeit kürzlich begangener Morde und anderer Gräueltaten brüsteten. Aber manchmal ist ein gutes Apfelkuchenrezept eben nur ein gutes Apfelkuchenrezept. Als alle Kekse aufgegessen waren, nahm der Dicke die grüne Schüssel, drehte diese um und starrte angestrengt auf den Boden des Behältnisses.
„Ist das ‘ne drei oder ‘ne fünf?“
„Ganz klar ‘ne drei“, sagte der Dünne.

März zuckte zusammen: Der Dicke nahm sein Handy und begann zu wählen.
„Hast Du eigentlich den Empfänger für Handygespräche aufgebaut?“
„Ich dachte, Du hättest…“
Es war schwierig, die gar nicht so unauffällige, circa einen halben Meter messende Funkschüssel auf dem Dach des Pizzalieferwagens zu befestigen. Ein älteres Ehepaar blieb dabei stehen, um den in einem schwarzen Anzug gekleideten Pizzaboten zu beobachten, der mit teurem elektrischem Equipment auf einem Lieferwagen herumturnte.
„Es kommt gleich Bonanza“, meinte Gruber zu seinen Zuschauern, als er wieder in den Überwachungswagen kletterte.

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