Mrz
14
2009

Kein Schwein ruft mich an

“Kanadisch für Spione” wird als Fortsetzungsroman in der unsichtbaren Bibliothek veröffentlicht. Dies ist bereits der dreizehnte Teil. Wenn Du die Geschichte von Anfang an lesen möchtest, dann klicke bitte hier.

Kein Schwein ruft mich an (Fortsetzung)


Teil 13 von Kanadisch für Spione

Teil 13 von Kanadisch für Spione

Auf dem Rückweg über die holprige, einsame Waldstraße wandte er sich seinem Fahrer zu.
„Nun Smith, was halten Sie davon?“
„Scheint ein gerissener Mann zu sein, der deutsche Sachverständige. Hat das Ohr am Puls des Geschehens. Vielleicht ist doch was an den Gerüchten dran, dass der BND etwas von der Lieferung der Ikonen über den Galeristen mitbekommen hat.“
„Aber eine Bestellung bei uns, die in Luigis Fachgebiet fällt?“
„Luigi gewinnt durch das Jointventure mit den Russen gerade in Deutschland an Bedeutung. Wahrscheinlich will er so den Preis drücken, indem er uns gegen Luigi ausspielt.“
„Ich denke, wenn wir hier erfolgreich Geschäfte betreiben wollen, sollten wir zunächst die Konkurrenz ausschalten.“
Ein dünnes Lächeln zeigte sich auf Smiths Lippen. Bye, bye Luigi.

Fritz lief bereits seit Stunden unruhig in seiner Wohnung auf und ab. Er traute sich noch nicht einmal zur Toilette, der Telefonanruf könnte ja in eben dieser Minute kommen. Die Wohnung war bis auf das Telefon leer. Fritz hatte sie nur gemietet, um von hier aus das Paket an den Sachverständigen zu übergeben. In einem groß angelegten Coup sollten die gefälschten Ikonen an das Krippenmuseum in München verkauft werden. Oh, wie er es hasste, länger als nötig auf der Ware zu sitzen. Solange er die Ware hatte, hatte er nur das Risiko und noch keinen Cent gesehen.
Endlich klingelte das Telefon.
„Was, der Kunde will Donuts? Sind Sie bescheuert, ich bin doch keine Bäckerei.“
„Das weiß ich auch. Er will die Ware nicht, verstehen Sie? Der Kunde mag keine Käsekringel.“
„Was reden Sie da für einen Unsinn?“
„Donuts statt Käsekringel. Ist das denn so schwer? Mit Vanillecreme und Zuckerherzen.“
„Nein, über die Ware. Warum will der Kunde die Ware nicht?“
„Der Boss sagt, Sie sollen das Paket verschwinden lassen. Es wird nicht mehr gebraucht. Der Kunde will Donuts.“
Der Dicke seufzte. Offensichtlich war auch dem Paketlieferanten der neue Geheimcode noch nicht ganz geläufig.

Meier saß erneut über dem Evaluierungsbogen. Er hatte März und Gruber den Vormittag freigegeben. Das ließ ihm Zeit, diesen bürokratischen Wahnsinn hinter sich zu bringen und danach einmal selbst bei Cyrillus nach dem rechten zu sehen.
„Fragen zur Selbsteinschätzung. Bitte vergeben Sie Schulnoten von eins (sehr gut) bis sechs (ungenügend). Frage 1: Erfolgt der eigenen Abteilung, Frage 2: Persönlicher Erfolg als Abteilungsleiter, Frage 3: …“
Meier hob den Kopf und ein kleiner Herr mit Glatze stand vor ihm. Er trug eine Brille mit dicken, gelblichen Gläsern. Erstaunlich, dass ich ihn nicht kommen gehört habe, dachte Meier.
„Gestatten, Sebastian Sause von der internen Evaluation.“
„Guten Tag Herr Sause“, sagte Meier etwas verlegen.
Der Abgabetermin für den Bogen war gestern gewesen. Ein Tag zu spät und die standen schon bei ihm auf der Matte.

„Meine Sekretärin wollte Sie telefonisch über den heutigen Termin der Raumbegutachtung informieren. Es ging aber niemand ran, Herr Meier.“
„Nun ja, wir haben viel zu tun.“
Herr Sauses Blick fiel auf Meiers penibel ordentlichen Schreibtisch, streifte die mit nur wenigen Aktenordnern bestückten Regale und fokussierte dann das Telefon. Das Kabel zum Hörer war abgerissen.
„Ja, ich verstehe.“
„Was kann ich für Sie tun, Herr Sause?“, fragte Meier betont freundlich. Der kleine, lächerliche Mann ging ihm schon jetzt auf die Nerven, dabei hatten sie erst zwei Sätze gewechselt. Vielleicht lag es an seiner hohen, enervierenden Stimme. Oder an seinem missbilligenden Blick. Vielleicht auch daran, dass sich Meiers Stimmung beim Ausfüllen des Evaluierungsbogens mit jeder eingetragenen Note, Zahl oder Bewertung verschlechterte. Oder auch daran, dass Meier bereits fünf Mal den zuständigen Techniker auf sein defektes Telefon hingewiesen hatte und immer die gleiche Antwort bekam: Ich rufe Sie an, sobald ich Zeit dafür habe.

„Heute führe ich die Begutachtung der Räumlichkeiten durch und prüfe Arbeitsabläufe und die Einhaltung der notwendigen Geheimhaltungsstufen in der täglichen Arbeit, Herr Meier.“
Sauses missbilligender Blick fiel auf die offene Tresortür hinter Meier und mit einem leichten Zucken im Mundwinkel zog er ein Klemmbrett und einen Bleistift aus seiner Aktentasche.
„Wo sind eigentlich die Agenten März und Gruber, Herr Meier?“

Mr. Smith ließ den Chinesen zwei Straßen entfernt vom Hotel aussteigen. Die Limousine war zu auffällig, fand er. Als er alleine im Wagen saß, entdeckte er das kleine weiße Päckchen, das dem Chinesen aus der Jackentasche gefallen war. Es war zwischen die Lehne und den Sitz gerutscht. Nachdenklich hielt Mr. Smith das Plastiktütchen in der Hand.

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